Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

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Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Gewaltfreie Kommunikation (abgekürzt: GfK) beschreibt eine Grundhaltung. Diese ermöglicht es, mit anderen Menschen und sich selbst in tiefen, aufrichtigen Kontakt zu kommen.

Marshall B. Rosenberg entwickelte die GfK als klinischer Psychologe im therapeutischen Kontext und erweiterte sie später auf jede zwischenmenschliche Interaktion.

Er lehrte und wendete die GfK seit den 1970er Jahren sehr erfolgreich beinahe in jedem Bereich, in dem Menschen miteinander um Verständigung ringen:

  • Familie,
  • Politik,
  • Krieg,
  • Schule,
  • Wirtschaft.

Die Methoden der GfK

GfK ist keine Gesprächsmethode, obwohl sie gelegentlich als eine Art kommunikativer Werkzeugkasten missverstanden wird. Gewaltfreie Kommunikation ist vielmehr ein Konzept, das Menschen eine sinnvolle und authentische Lebensweise und Verständigung ermöglicht.

Den Schlüssel dafür sieht Rosenberg in der Entwicklung von Empathie. Empathie für sich selbst und ein menschliches Gegenüber kann nur entstehen, wenn Gefühle nicht verwechselt werden mit Bewertungen, Wünschen und Überzeugungsabsichten.

Empathie bedeutet, sich für das menschliche Bedürfnis hinter einer Äußerung und Handlung zu interessieren und ihm seine volle Berechtigung zuzusprechen. Daher trainieren wir im Rahmen der GfK die Wahrnehmung und Mitteilung von Gefühlen und Bedürfnissen. Das fordert uns einen sehr reflektierten Sprachgebrauch ab.

Voraussetzung für die Empathie gegenüber anderen Menschen ist die Selbstempathie. Selbstvorwürfe oder Rechtfertigungen sind ein sicherer Hinweis dafür, dass wir das eigene Bedürfnis nicht wertschätzend anerkannt haben. Erst die Anerkennung konkreter eigener Bedürfnisse ermöglicht es uns, die Verantwortung für das eigene Handeln zu tragen.

Rosenberg geht davon aus, dass wir Menschen uns auf einen Weltfrieden zubewegen können, wenn wir aus lebensbejahenden Motiven handeln. Angst oder Scham sind nicht lebensbejahend. Dort, wo Angst und Scham als Handlungsmotiv dienen, setzt sich die Gewalt-Spirale fort.

Pädagogik, Training, Coaching

Im pädagogischen und im Coaching-Kontext haben wir die Chance, diese Gewalt-Spirale zu durchbrechen. Wir als Erziehende und Berater können vorleben, wie wir unseren Standpunkt einnehmen, ohne einen anderen moralisch zu beurteilen oder abzustrafen. Diese Haltung kann zu einem Kompromiss führen, muss es aber nicht.

Kompromisse sind niemals Ziel der GfK, denn die Vorgabe, einen Kompromiss zu erreichen, schränkt unsere Freiheit ein. Freiheit ist aber die Voraussetzung für ehrliche Empathie und Selbstempathie. Für pädagogisches Handeln kann dies bedeuten, dass wir durch ein Verbot oder eine Regel eine Grenze ziehen müssen. So beschützen wir unsere eigenen Bedürfnisse, ohne aufzuhören, uns gleichzeitig für den Menschen zu interessieren, der diese Grenze als Einschränkung seiner Bedürfnisse empfindet.

Im Kontext der Mitarbeiterführung können es klare Weisungen oder jurstisch bindende Vorgaben sein. Wenn die Regel oder das Verbot übertreten werden (weil auch der regelübertretende Mensch seine Bedürfnisse erfüllen möchte), setzen wir die Handlung nicht mit dem handelnden Menschen gleich. Wir akzeptieren das zugrundeliegende Bedürfnis einschränkungslos, auch wenn wir die Art der Umsetzung in Frage stellen.

Negativ ausgedrückt: Der GfK-Anwender verzichtet darauf, durch die Erzeugung von Angst- oder Schamgefühl eine kurzfristige Anpassung an ein gewünschtes Verhalten zu erzwingen, weil das die aufrichtige Kontaktmöglichkeit vereitelt.

Kleiner Exkurs: Antipädagogik

Inspiriert durch Carl Rogers, beschäftigte sich Hubertus von Schoenebeck in den 1970er Jahren ebenfalls mit manipulierender entwicklungshemmender Erziehung. Er bezeichnete diesen Ansatz in den 1980er Jahren als Antipädagogik, später als Amication.

Im Gegensatz zu Rosenberg entfaltet Schoenbeck seine Theorie aus einer negativen Grundhaltung heraus, indem er Erziehung als manipulativ und entmündigend kritisiert. Er wählt eine Sprache, von der sich Erziehende angegriffen fühlen können, wenn sie nicht gelernt haben, gewaltfrei zuzuhören. Unter gewaltfreiem Zuhören versteht Rosenberg das eigenständige Entschlüsseln der Bedürfnisse und Gefühle des Gegenübers, auch wenn dieser seine Position auf aggressive oder vorwurfsvolle Art äußert.

In der Sache sehen wir viele Parallelen zwischen der Antipädagogik und der GfK, ziehen aber die positive Grundeinstellung der GfK der negativen von Amication vor. Pädagogik, Trainings und Coachings bergen aus unserer Sicht die Einladung für alle Betroffenen, sich weiterzuentwickeln und die eigene Kontaktfähigkeit zu steigern.

Gewaltfreies Sprechen

In seinen Trainings vermittelte Rosenberg sprachliche Reflexionsmuster, die helfen, die GfK in die Tat umzusetzen:

  • Die eigenen Gefühle so konkret wie möglich schildern.
  • Eigene Äußerungen nicht als allgemeingültig darstellen (zum Beispiel durch Verwendung des unpersönlichen Pronomens man).
  • Das eigene Bedürfnis in Form einer Bitte äußern.
  • Eine Bitte nicht als Forderung vermitteln und eine Forderung nicht als Bitte tarnen.
  • In der Äußerung des Gegenübers das zugrundeliegende Gefühl erspüren.
  • Die eigene Wahrnehmung über das Gefühl des anderen ausdrücken.
  • Das Gegenüber nach den eigenen Gefühlen fragen.
  • Das Gegenüber um die Äußerung einer Bitte bitten, ohne den Anspruch, sie erfüllen zu können.

Selbstverantwortung und Kontakt-Fähigkeit sind übrigens auch Ziele der Gestalttherapie. Diese wurde von Fritz Perls und Paul Goodman etwa zeitgleich mit Rosenbergs GfK entwickelt und beeinflusste später die Gestaltpädagogik ganz maßgeblich.

Selbstverantwortung und Kontakt-Fähigkeit zeichnen einen Menschen aus, der sein Leben aktiv und bewusst gestaltet. Ein solcher Mensch erlebt sein Leben als sinnerfüllt und befriedigend.

Was wir anbieten

Wir sind keine ausgebildeteten oder zertifierzierten GfK-Spezialisten. Wir sind aber von dem Konzept hunderprozentig überzeugt und lassen es in unsere Arbeit einfließen: in allen Einzelberatungen, Gruppenseminaren, Vorträgen.

Bei Interesse vermitteln wir Ihnen auch gerne zertifizierte Spezialisten für einen Workshop oder ein Coaching.

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